Pendleratlas 2025: Straßen entlasten, Schiene stärken
In Nordrhein-Westfalen pendeln so viele Menschen wie nie zuvor: Rund 5 Millionen Beschäftigte überquerten 2024 täglich die Grenzen ihres Wohnortes, um zur Arbeit zu fahren. Das zeigt der aktuelle Pendleratlas 2025 des Statistischen Landesamtes IT.NRW. Die meisten Arbeitswege werden dabei mit dem Pkw zurückgelegt, volle Straßen, Parkplatznot und verstopfte Innenstädte sind oftmals die Folge. Besonders betroffen sind Pendlerregionen wie das Münsterland und Ostwestfalen-Lippe. Bahnprojekte wie die geplante S-Bahn Münsterland oder die Reaktivierungen der WLE- und TWE-Strecken setzen hier an und bieten Pendlerinnen und Pendlern künftig eine klimafreundliche Alternative zum eigenen Auto.
Die Zahlen zeigen, wie mobil das Land ist: 5 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen fahren täglich über Gemeindegrenzen hinweg zur Arbeit – mehr als je zuvor. Weitere rund 4,4 Millionen Berufstätige arbeiten direkt an ihrem Wohnort. Damit pendelt gut die Hälfte der Erwerbstätigen, meist mit dem Auto. Nur 14 Prozent der Berufstätigen in NRW nutzen Bus oder Bahn, in kleinen Städten sogar nur 5 Prozent. In Ballungsräumen wie Münster oder Köln liegt der Anteil dagegen bei knapp 30 Prozent.
Münster: Pendlerzentrum der Region
Münster gehört zu den bedeutendsten Arbeitsorten in Nordrhein-Westfalen: Rund 116.000 Menschen kommen werktäglich zum Arbeiten in die Stadt. Dagegen verlassen nur 26 Prozent der Münsteranerinnen und Münsteraner ihren Wohnort für den Job – die niedrigste Auspendelquote im ganzen Land. Das ergibt einen Einpendlerüberschuss von etwa 70.000 Personen: Es strömen also deutlich mehr Berufstätige zur Arbeit in die Stadt ein, als hinauspendeln. Münster ist somit ein regionales Wirtschafts- und Ballungszentrum. Die Folge: Staus und dichter Berufsverkehr.
Die geplante S-Bahn Münsterland soll Abhilfe schaffen und die Straßen entlasten: Sie wird jene Korridore stärken, auf denen schon heute täglich Zehntausende Menschen unterwegs sind. Ziel ist es, die bestehenden Regionalverbindungen auszubauen und Verkehre auf der Schiene dichter zu takten, damit Berufspendlerinnen und -pendler künftig schneller, komfortabler und klimafreundlicher zu ihrem Arbeitsplatz gelangen.
Pendelströme entlang der geplanten S-Bahn Münsterland
Zwischen Münster und dem Ballungsraum Unna/Dortmund verlaufen einige der stärksten Pendelströme in Westfalen. Rund 116.000 Menschen kommt täglich zur Arbeit nach Münster, im Kreis Unna pendeln über 79.000 Beschäftigte aus und 60.000 ein.
Die Strecke zwischen Münster und Dülmen ist eine stark frequentierte Pendlerachse. Aus Dülmen pendeln täglich fast 12.000 Menschen zur Arbeit heraus, nur rund 6.500 Beschäftigte kommen zur Arbeit in die Stadt – ein klares Zeichen für den starken Berufsverkehr in Richtung Münster.
Zwischen Münster und Coesfeld liegt einer der dichtesten Pendlerkorridore der Region. Im Kreis Coesfeld pendeln täglich rund 46.500 Beschäftigte aus und 26.900 ein. Die Stadt Coesfeld ist dabei ebenfalls ein bedeutender Arbeitsstandort mit rund 13.000 Einpendelnden und nur 8.400 Auspendelnden.
Aus dem Kreis Steinfurt pendeln täglich rund 68.000 Menschen aus und 42.000 ein, viele zwischen Gronau und Münster. Auch die Stadt Gronau weist mit 8.100 Aus- und 6.500 Einpendelnden ein hohes Mobilitätsvolumen auf, ergänzt durch Berufstätige aus den Niederlanden.
Die Verbindung zwischen Münster und Rheine zählt zu den meistgenutzten Pendelstrecken im nördlichen Münsterland. Die Stadt Rheine selbst zeigt mit 15.900 Aus- und 16.800 Einpendelnden nahezu ausgeglichene Ströme, was die Bedeutung der Strecke in beide Richtungen unterstreicht.
Die Verbindung zwischen Münster und Osnabrück ist eine der zentralen Achsen zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. In Osnabrück pendeln 27.000 Beschäftigte aus und 58.900 ein – ein deutliches Zeichen für die hohe grenzüberschreitende Arbeitsmobilität zwischen beiden Städten.
Den Kreis Warendorf verlassen täglich rund 50.400 Beschäftigte, vorwiegend in Richtung Münster. Auch die Stadt Warendorf selbst weist mit 9.500 Aus- und 8.800 Einpendelnden ein hohes Verkehrsaufkommen auf.
Die künftige S 8 verbindet Münster mit Sendenhorst und reaktiviert damit eine Strecke, auf der seit Jahrzehnten kein Personenverkehr mehr stattfand. Allein in Sendenhorst arbeiten 4.100 Aus- und 3.100 Einpendelnde. Die Reaktivierung der WLE-Strecke (Westfälische Landes-Eisenbahn) schafft eine direkte, umweltfreundliche Verbindung für Berufspendlerinnen und -pendler zwischen Stadt und Land.
Die Linie S 9 verbindet künftig den Norden und Süden des Münsterlands auf direktem Weg. Die Stadt Hamm verzeichnet mit 30.300 Aus- und 23.500 Einpendelnden starke Pendlerströme.
TWE: Harsewinkel – Gütersloh – Verl
Auch im Süden des Münsterlands zeigen die Pendlerzahlen den Bedarf für bessere Bahnverbindungen. Im Kreis Gütersloh pendeln über 80.000 Beschäftigte täglich aus und rund 60.000 ein – viele zwischen Harsewinkel, Gütersloh und Verl.
Besonders Verl ist ein Einpendler-Hotspot: Mit einer Einpendlerquote von über 70 Prozent zählt die Stadt zu den Spitzenreitern in NRW. Große Arbeitgeber wie Oetker, Bertelsmann-Tochterunternehmen oder CLAAS ziehen Arbeitskräfte aus dem gesamten Umland an, meist mit dem Auto. Die Reaktivierung der TWE-Strecke (Teutoburger Wald-Eisenbahn) wird erstmals wieder eine durchgehende Schienenverbindung zwischen Harsewinkel, Gütersloh und Verl schaffen – und bietet somit eine staufreie Alternative in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Ostwestfalens.
Daten als Motor der Verkehrswende
Der Mikrozensus 2024 zeigt: 76 Prozent der Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen arbeiten nicht im Home Office, sondern im Büro, auf der Baustelle, im Geschäft oder in der Praxis. Umso wichtiger ist es, die Arbeitswege klimafreundlicher zu gestalten. Die S-Bahn Münsterland macht das perspektivisch möglich: Sie verbindet Stadt und Land, entlastet Straßen, senkt Emissionen und verbessert dadurch die Lebensqualität in der gesamten Region. Die Daten des Pendleratlas 2025 belegen, dass die Nachfrage vorhanden ist – jetzt folgt die nötige Infrastruktur. Mit der S-Bahn Münsterland, der WLE- und der TWE-Reaktivierung wächst ein Nahverkehrsnetz heran, das die realen Pendelströme aufnehmen und von der Straße auf die Schiene bringen kann.